Unterricht

Kraftvoll entspanntes Singen, das langes und ermüdungsarmes, aber bühnenwirksames Arbeiten mit der Stimme ermöglicht, steht im Mittelpunkt meiner gesangspädagogischen Tätigkeit. Dabei beschreite ich im Dialog mit den SchülerInnen durch Vermittlung des funktionellen Hörens den Weg zu einer Technik für die je individuelle Stimme, ihrer Struktur, sowie Schülerpersönlichkeit. Stimme und Persönlichkeit werden auf diesem Weg über die Jahre zusammenfinden und ein stimmiges Gesamtbild ergeben. Die Erziehung zur Fähigkeit der reflektierten sängerischen Eigendiagnose spielt dabei eine ebenso wichtige Rolle wie der Wille des Schülers dazu.

Zweifellos ist es gerade das unreflektierte Abspulen des täglichen Übungsprogrammes, das Entwicklungen verhindert oder gar verzögern kann. Stärken zu stärken und Schwächen abzubauen ist demnach mein pädagogisches Credo, das möglicherweise ein Mehr an Konzentration und Disziplin beider Seiten fordert, aber letztlich die Basis für eine eigenkompetente Erforschung der individuellen sängerischen Möglichkeiten liefert.

Dazu stehen viele gute Unterrichtskonzepte zur Auswahl. Die Transparentmachung von unbewussten Mechanismen verschiedenster Gesangsmethoden und die kritische Distanz oder Toleranz zu Terminologien und Zielen möchte ich den Studierenden gleichsam aufzeigen.

Das so oft postulierte entspannte, lockere Singen unterscheidet sich leider manchmal vom eingeforderten Stimmgebrauch auf der Opernbühne. Nach über zehnjähriger solistischer Tätigkeit auf Opernbühnen und Konzertpodien weltweit und einer fast ebenso langen gesangpädagogischen Tätigkeit, in der ich nicht nur junge Sängerinnen und Sänger auf Aufnahmeprüfungen vorbereitet habe, sondern auch von Kollegen immer wieder um Rat oder meine Meinung ersucht werde, versuche ich eine Verbindung von idealem und bühnentauglichem Singen in die von mir vermittelte Technik einfließen zu lassen. Dabei sind mir Konzepte aus dem altitalienischen Belcanto, dem Estill Voice Training, der funktionalen Stimmbildung nach Reid oder moderne computergestützte Analyseverfahren wie VoceViste ebenso geläufig wie Prinzipien aus der Neurolinguistischen Programmierung, manuellen Therapieformen (v.a. der Osteopathie) und aktuellen Erkenntnissen aus der Stimmforschung. Ihrer bediene ich mich im Sinne eines Werkzeugkoffers, lasse mich davon aber nicht versklaven.

So ist das entscheidende Bindeglied der vielen Mosaiksteine des Unterrichtes zum einen die flexible Form der Pädagogik und zum anderen die ästhetische Vision des Lehrers. Beides bedeutet hohe Anpassungsfähigkeit an den Schüler bei der Vermittlung sängerischer Prozesse. Die Pädagogik fällt daher häufig sehr unterschiedlich aus, ad exemplum können Aufbauvokalisen zwar die gleichen sein, werden aber mit verschiedenen Worten erklärt, in technischer Hinsicht analysiert, musikalisch oder emotional gesteuert, und so fort.

Der US-amerikanische Tenor und Gesangspädagoge George Shirley hat das Wort geprägt „we all are students, but in the setting of this voice lesson I’m the most experienced student.“ In diesem Sinne sollte sich Gesangspädagogik auch immer wieder neu in Frage stellen und ihre eigene Unvollkommenheit einkalkulieren. Der Austausch mit meinen Bühnenkollegen aus den USA, Südkorea, Armenien, Italien oder Georgien ist mir daher ebenso Goldes Wert, wie Kontakte in die Stimmforschung oder der Besuch von Fachkongressen. Mir bietet dies die Möglichkeit die eigene Tätigkeit qualitativ zu steigern.

„Der freie Ton“, so die renommierte niederländische Gesangspädagogin Margreet Honig, sei das Ziel jeder Stimmbildung. 
Dem ist nichts hinzuzufügen.